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Donnerstag, 31. Oktober 2013

Anne, der Schal und der Zauberwald


So! Nun wird’s aber auch mal wieder Zeit. Im Wohnzimmer stapeln sich die „Frau im Trend“ der letzten Monate, die Frau im Haus fragte bereits mehrfach ungeduldig was denn nun damit wäre und ob die „vielleicht auch mal weg können“. Können sie natürlich nicht, ist ja pures Blattgold.

Ich beginne die Aufarbeitung der Rubrik „Warum Frauen immer eine Spur raffinierter sind“ mit der Geschichte von Anne (39). Anne behauptet: „Mit einem Schal erklommen wir den Gipfel der Lust“. Tausend Bilder schießen einem spontan durch den Kopf. Das heißt eigentlich nur 2: 

1.Anne und ihr Beischlaf-Sherpa ziehen sich splitternackt den Qomolangma hoch, mit einem Schal als Fixseil. 

2. Anne empfindet große Lust daran, ihrem Tünn dabei zuzusehen, wie er mit dem Schal um den Hals im Kleiderschrank zappelt. Ist ja auch grad schwer im Trend.

Was wird es werden? Man ist gespannt. Anne fährt fort:

„Spiel mit mir“, hatte Eric, mein Mann mir gesimst. Als ich „Ja“ antwortete, kam der Lustbefehl: „Halterlose Strümpfe, schwarze hohe Pumps. Mach Dich schön, überall...“ Überall?! Wie heiß meine Wangen wurden, als ich darüber nachdachte.

Vor Scham vermutlich. Der Nachdruck, mit dem Eric sie dazu auffordert, sich ÜBERALL schön zu machen, lässt darauf schließen, dass Anne sich untenrum in den letzten Jahren ziemlich hat gehen lassen. Anne, schmeiß den Heckentrimmer an, Eric will spielen! Und wir wollen ihn danach doch wiederfinden, nicht wahr.

„Und das nur, weil ich mir zu meinem Geburtstag gewünscht hatte, dass wir mal eine Woche auf Computer, Fernseher und Internet verzichten sollten.“

Wie ramontisch! Alle Technik auf Off. Einen richtigen Job können also beide schon mal nicht haben.

„An Tag eins hatten wir miteinander gekocht und anschließend las er mir aus einem erotischen Roman vor.“

Nuja, sicherlich. Welches Paar macht das nicht. Ich hab mich neulich allerdings mal vertan und beim Sex aus dem Kochbuch vorgelesen. Muss man nicht noch mal machen.

„Am zweiten Tag überraschte ich ihn mit einer Kerze...“

Ui! Ich hoffe für Eric, es war keine IKEA Stumpenkerze...

„...aus dessen Wachs Massageöl wurde...“

Achso. Schwein gehabt, Eric.

Es handelt sich übrigens nicht um einen Fehler meinerseits: Anne schrub tatsächlich „dessen“ anstelle von „deren“. Offensichtlich beinhaltete ihr Geburtstagsgeschenk auch, dass die Grammatikprüfung bei Word mal ein paar Wochen aus bleibt. Bittesehr.

„ – und er verwöhnte mich mit einer sehr sinnlichen Busen-Massage. An Abend drei besuchten wir eine Therme und küssten uns wild unter den tropischen Duschen.“

Als ich das letzte Mal in einer Therme war, saß neben mir ein kräftiger Mann mittleren Alters, der sich schnaufend seine Schuppenflechte von der Haut kratzte, wenn er nicht gerade zwischen seinen Zehen pulte. Ab und zu schaute seine greise Mutter im Stepp-Bademantel vorbei und meinte, er solle sich auch mal abspülen. Ich bin dann schon bald nach Hause, habe mich in Teichfolie eingerollt und in den Schlaf geweint.

„Und nun gehorchte ich seinem Wunsch. Als ich von der Arbeit nach Hause kam, zog ich mich bis auf die Pumps und halterlose Strümpfe aus.“

Was ist denn das für ein Job, hörma? Und während ich „halterlose“ lese, denkt mein Kopf immer „haltungslose“. Dann sehe ich so Anne in ampferfarbenen Wollsocken mit ausgeleierten Bündchen. Und dann versteh ich die ganze Erotik schon wieder nicht. Nunja, mein Problem, Anne lässt sich davon nicht aufhalten.

„Ein Seidenschal hing über dem Geländer. „Leg ihn um Deinen Hals“, forderte ein kleiner Zettel.
Ich träumte prompt davon, wie er mir die Augen verband.“

Wer, der Zettel?

Frauen kann man’s auch nie recht machen. Hätte auf dem Zettel gestanden „Verbinde Dir die Augen“, hätte Anne sich gewünscht, sie solle ihn um den Hals tragen. Jede Wette!

„Und meine Knie zitterten bei dem Gedanken, dass er mich schamlos nackt sehen würde, aber ich ihn nicht.“

Ja, das ist schon reichlich abgefahren. Hui. Nackt! Er sieht was! Sie nicht! Ich dreh durch.

„Weder seinen entschlossenen Blick, noch seine lustvollen Lippen und was seine Hände als nächstes tun würden.“

Vermutlich machen die grad ein paar Schnappschüsse von seiner nackten Trulla, die er dann auf  facebook verkauft. Oder er dreht sich schön Eine und denkt „Wie erbärmlich. Steht die hier nackt in der Diele. Und morgen wieder Blasenentzündung.“

„Als ich im ersten Stock durch den dunklen Flur ging, fiel er aus der Dunkelheit über mich her.“

Wer, der Zettel?

Achnee, sicher Eric, der alte Lustfeldwebel.

„Wie schön du bist“, raunte Eric“

Und Anne muss ihm glauben, denn sie sieht sich selbst ja nicht. Oder...Moment: Hat sie sich jetzt eigentlich die Augen verbunden? Nein, das war doch nur ein Tagtraum. Anne's crazy Fantasien bringen mich völlig durcheinander. Wir halten fest: Anne ist nackt, trägt einen Seidenschal um den Hals und tapert barfuß durch den dunklen Flur. Gott, hoffentlich liegt da kein Lego rum! Kann ganz schnell zur Snuff-Nummer werden das Ganze.

„...als er sich an mich drückte, meine Hände hinter meinem Po zusammenhielt. Verlangen in seiner Stimme. Er griff nach dem Schal, trieb mich zum Bett.“

„Hüa, alte Mähre!“
Oder so.

„Dann schob er mir das dunkle Tuch über die Augen, schlang es mir zweimal um den Kopf.“

Was ja reichlich bescheuert aussehen muss, sind wir mal ehrlich. Wie ein verrutschter Turban.

„Unendlich erregend wanderte seine Hand über meinen Hals, zwischen meinen Brüsten hindurch zu meinen Lenden.“

Is das nicht ein Umweg? Egal. Aber woher will Anne überhaupt wissen, dass es seine Hand ist? Sie sieht doch nix! Vielleicht zieht Eric ihr auch grad nen toten Fisch über den Bauch, wer weiß das schon? Aber auch das wäre Anne wohl mittlerweile egal. Sie ist nämlich offiziell on fire.

„Ich biss mir auf die Unterlippe, als sein heißer Atem meine rasierte Zone traf – ja, so schön hatte ich mich für ihn gemacht...“

Das war ja wohl auch so befohlen.

„...sogar einen Tropfen Parfüm verteilt.“

Schön nen Viertelliter 4711 auf den frisch gerodeten Annezonas. Hmm...was gibt’s Schöneres?! 

„Seine Lippen tupften feuchte, heiße Küsse über sämtliche glattseidige Stellen.

Glattseidig? Nach Monaten totaler Finsternis und Wildwuchs?! Anne, Du siehst da unten aus wie ein frisch gerupfter Gänsehals. Bestenfalls! Wahrscheinlich dominieren Rasurbrand und blutige Haarwurzeln das Gelände. Ich glaub ja nicht, dass Eric da großartig Freude daran hat.

„Sie ließen mich stöhnen nach mehr verlangen. Seine Zunge bahnte sich ihren Weg zu meiner innigsten Lust.“

Meingott, Anne! Ich kann mich nur wiederholen. Wenn Deine innigste Lust da unten wohnt, hättest Du ja schon mal ein paar Tage eher die Klinge ansetzen können. Muss denn das immer ein Jahr dauern!?

„Erst, als ich fast kam, drückte er meine Schenkel auseinander und drang in einer einzigen, heftigen Bewegung in mich ein, hielt meine Handgelenke fest ins Laken gepresst. Solange, bis ich nichts anderes mehr konnte, als mich willenlos hinzugeben.“

Achhördochauf! Das konntest Du doch schon nach dem ersten Zettel nicht mehr!

Ich bin ehrlich: im Gegensatz zu Anne lässt mich die Geschichte unbefriedigt zurück. Was ist denn nun mit dem Schal? Der hing hier die ganze Zeit wie doof um den Kopp oder was? Also ich weiß nich. Hatte ja nun zumindest damit gerechnet, dass Anne sich damit an die Balkonbrüstung fesseln lässt. Oder so. Und überhaupt: von wegen „erklommen wir den Gipfel der Lust“. Von wir keine Spur. Eric musste sich durch das Schattenbachtal kämpfen. Schätze, zum nächsten Geburtstag gibt’s wieder ’nen Douglas-Gutschein und ’ne Telefonkarte. Happy Birthday, Anne! Die nächste bitte!




Mittwoch, 6. Februar 2013

Sandra, Jack Sparrow und der Heizkessel


Pünktlich zu Karneval erfreut die Frau im Trend, das Fachmagazin für junggebliebene Damen, mit einer jecken Lovestory. Darin dreht sich alles um die Reiseverkehrskauffrau Sandra (38) und ihre letztjährigen Erlebnisse im frohsinnigen Köln. Ihre Geschichte beginnt so:

Natürlich herrschte bei uns im Reisebüro Ausnahmezustand. An Weiberfastnacht wurde ab 11:11 Uhr nicht mehr gearbeitet. 
Nun, wenn man mich fragt: großartig nach Arbeit sieht das in Reisebüros eigentlich nie aus. Billige Flüge und überteuerte 3-Sterne-Bunker googeln, das kann mittlerweile jeder, in dessen Heim mindestens ein 56k-Modem vor sich hin trötet. Doch bevor ich hier einen ganzen Berufsstand verunglimpfe, schnell zurück zum Plot.

Bis dahin hielten wir Frauen unsere Scheren zurück. Einmal war es einer Kollegin passiert, dass ein Kunde sie angezeigt hatte, weil sie ihm den Binder abgesäbelt hatte. Nicht mal ein Küsschen hatte ihn getröstet. 
Rock'n Roll bei Travel-Tünnes! Tanzen diese durch und durch verrückten Hühner doch Altweiber echt mit 'ner Schere an, um Männern damit auf Glockenschlag die Krawatte zu stutzen! Ich dreh durch! Was muss dieser humorlose Kunde auch ausgerechnet an diesem Tag seinen nächsten Fickurlaub in Thailand buchen, selbst Schuld! Allerdings: wenn bei mir eine ausgelassene Reisetante ungefragt eine Zirkumzision durchführte, würde ich wohl auch über eine Klage nachdenken.

Ich hatte Alex auf dem Kieker, unseren Kreuzfahrt-Experten.
Aha! Alex, der alte Schwerenöter, war also der Hahn im Korb. Und Sandra zog offenbar in Betracht, mit ihrer Aida mal sein Kap Horn zu umsegeln. Dieses Luder!
War ich verliebt? 
In den Leichtmatrosen? Schwer vorstellbar. Vielleicht temporär und untenrum, aber so richtig mit Herz? Sandra?

Eigentlich nicht. 
Siehste.

Ich war zu lange Single, seit mein Ex-Verlobter Maik sich in meine Freundin Beate verknallt hatte. 
Oha. Sandra wurde also von Mighty Maik und Bitch Beate das Herz gebrochen. Nicht schön. Wieso allerdings ein langes Single-Dasein den Zustand des Verliebtseins ausschließt, erschließt sich mir nicht so ganz. Nunja, um mich geht es ja auch nicht. Weiter:

Während meine Kollegin Heike sich in der Kölschkneipe mit einem Schwung Matrosen amüsierte, streifte ich, verkleidet als Piratenbraut durch die ausgelassene Menge. 
Während Sandra so streift, geht Gangbang-Heike gleich bei einem ganzen Schwung Matrosen vor Anker. Die Geschichte würde man ja eigentlich viel lieber lesen. Heike, übernehmen sie!!

Auf einmal hielt mich ein Pirat mit Augenmaske auf, umfing mit festem Griff meine Taille. „Tanz mit mir.“ raunter er. 
Augenmaske? Was soll denn das für ein Pirat sein? Augenklappe, meine Liebe, alles andere ist Zorro.

Das war das Leben! 
Waswiewo? In einer rammelvollen Kölschkneipe von einem schlechten Zorro mit Enterhaken angegrapscht zu werden, das ist das Leben? Achso! Hätt' man mir ja auch schon eher sagen können.

Auf meine Frage, wie er hieß, legte er den Finger auf die Lippen. Ein Gentleman-Pirat, sein Lachen eine Wucht. 
Mit seinem schlierigen Klofinger am Mund rumfummeln, ein wahrer Gentlemann. Genau. Aber dieses Lachen! Was schert einen da schon die Campylobater-Enteritis vom nächsten Tag.

Später dann, als wir Hand in Hand dasaßen...
Sicher. Damenhöschen fliegen durch den Saal, wildes Zungenfechten in jeder Ecke und unsere Beiden sitzen da und halten Händchen. Wie ramontisch!

...erkannte ich ihn unter der Maske: Jan, meine Jugendliebe! 
Gibsdochnich! Was für ein Zufall! Gute Freunde kann niemand trennen.

Lang hatte ich ihm nachgetrauert, als er als Hotel-Azubi nach England ging. „Ich feiere jedes jahr Karneval in Köln“, gestand er. „und ich habe seit Jahren Ausschau nach dir gehalten.“ 
Kann ich überhaupt nur jedem empfehlen: wenn man mal wen sucht, den man ewig nicht gesehen hat, dann stürzt man sich am besten in den Karneval und hält unter Clownsmasken, Afroperücken und Zebrakostümen nach ihm Ausschau. Eine ganz sichere Nummer.

„Schon mal was von Telefon gehört?“, spöttelte ich. 
Hihi...schlagfertig, unsere Sandra!

„Hätte es dieselbe Magie?“, fragte er. 
Touché! Zu zweit zwischen Kölschduschen, Kotzlachen und Höhner-Hits – mehr Magie geht eigentlich nicht. Sieht Sandra auch so.

Nein! Wir tanzten, wir lachten und sprachen. Und dann schwiegen wir. 
Warum? Übelkeit? Kopf- und Gliederschmerzen? Schlechtes Gewissen? Oder doch nicht etwa...

Als wir uns küssten, war es wie die wilde See. Immer lockender küssten wir uns, bis wir den kuschlig-warmen Heizungskeller des Bistros erreicht hatten.
Nun. Ich habe wahrlich schon einige Bistros in Köln aufgesucht. Und wenn ich jetzt Rückschlüsse vom gastronomischen Bereich auf den unterirdischen ziehen sollte, dann wäre so ziemlich das Letzte, worauf ich käme, mich mit einem anderen Menschen eben dorthin zu begeben. Es sei denn, ich will ihn umlegen und sicher gehen, dass seine Leiche die nächsten 40 Jahre nicht gefunden wird.

Dort ließen wir unseren Gelüsten freien Lauf. 
Igitt. Aber gut, es ist Karneval, Jan juckt der Krummsäbel und Langzeitsingle Sandra tropft wie ein Kieslaster. Dann muss es eben mal der Heizungskeller sein.

Jan zog mich langsam aus... 
NACKICH IM VERSIFFTEN HEIZUNGSKELLER EINES BISTROS! Sandra...ich bitte dich!

...schob meine Schenkel auseinander, vergrub seinen Mund in meinem Schoß. Ich spürte seinen Dreitagebart kitzeln. 
An dieser Stelle hätte ich persönlich gern eine „die Heizung leckte“-Allegorie gelesen. Doch das würde ja die Romantik des Augenblicks kaputt machen, stimmt schon. Schenkel, Dreitagebart, rrrrr!

„Nimm mich“, keuchte ich. 
Und Jan so „JADOCH! Was glaubst du, warum ich hier unten im Siff knie?!“ Und wieso überhaupt keuchen? Jetzt schon 'ne Lungenentzündung im feuchten Keller? Ich mache mir Sorgen um Sandra.

Er stand auf, hob mich aus der Bewegung heraus hoch. Seine Hände umschlossen meinen Po, ich spürte, wie sich die feste Spitze seiner Männlichkeit an mich drückte, und er mit flachen, heißen Stößen tiefer drang. 
Jan und Sandra beim Kielholen. Na prima. „feste Spitze seiner Männlichkeit“...herrijee, das sind Piraten unter sich! Das kann man doch wohl auch angemessen umschreiben: Mit ordentlich Schwung hievte er mich von Deck! Seine Pranken packten mich Backbord und mit dem harten Knauf seines Dolches enterte er meine Schatztruhe. Oder so.

Unterträglich sexy. 
Sicher.

Irgendwann legte er mir die Hand auf den Mund, sah mich an – 
und sagte: „Scheiße, ich hab mein Auto nicht abgeschlossen.“ oder „Kannst du mal bitte aufhörn zu quietschen wie ne Kombüsentür?“ War's so?

...und glitt mit einem heftigen Ruck ganz hinein. 
Achso. Langweilig.

Entzog sich. 
Ui! Doch nicht!

Und dann wieder dieser Ruck. 
Ach doch.

Er hörte nicht auf, bis Zittern meinen Körper erfasste und ich Jan, dem heimgekehrten Piraten, meine Lust in die Hand stöhnte. 
„*rüüüülps*- 'schuldigung! Das war das viele Kölsch.“

 Ja, so war das. Sandra und Jan sind seitdem ein Paar und legen jedes Jahr an Altweiber eine Blume im schäbbigen Keller der Dönerbude ab. Denn was so schön begann, soll niemals enden. Amen,...Ahoi...äh...ALAAF!!



Freitag, 3. Februar 2012

Sylvia, der Suff und die Sehschwäche

Die letzwöchige Ausgabe der Frau im Trend (5/2012) hielt zu meinem Bedauern keine vor Erotik knisternde Geschichte bereit. Das Highlight war eigentlich die Reportage um Sylvia O.




Ja. Sylvia O. hat abgenommen. So wie in jeder Ausgabe eine Frau bereits auf der Titelseite 50 Pfund abnimmt. Mindestens. Natürlich gelingt das immer spielend, und alle können genauso weiterfressen, wie vorher. So sah Sylvia übrigens mit Kampfgewicht aus. Und mit Nachnamen.




Sylvia war schon immer dick, so schreibt sie. "Dickes Kind, dicker Teenager und jetzt auch noch eine dicke Oma." Ich tippe auf schwere Knochen. Tragisch. Etliche erfolglose Diätversuche hatte sie schon hinter sich gebracht, als ihr "praktisch der Zufall zur Hilfe kam". Wegen einer Schilddrüsen-OP (Aha! Doch nicht die Knochen, die Hormone waren Schuld!) lag sie im Krankhaus. "Da hörte ich, wie sich zwei Frauen unterhielten, und spitzte die Ohren, als folgender Satz fiel: Ich habe so zugelegt und muss unbedingt wieder zu den Weight Watchers." 69 Jahre alt und noch nie von Weight Watchers gehört. Nunja, wer sein ganzes Leben mit dem Kopf in einem Fass Butter steckt, dem bleiben eben wesentliche Dinge verborgen. Aber nun endlich wusste Sylvia Bescheid, und machte sich auch direkt an die Arbeit. Schon drei Tage nach ihrer Entlassung saß sie "in der Gruppe" und wurde "in die Geheimnisse der Ernährungsumstellung eingeweiht." Hätte sie sich mal bei mir gemeldet, das Geheimnis hätte ich ihr kostenlos verraten: FRISS HALT NICH SO VIEL SCHEISSE! Naja, sie hat sich für die WeightWatchers entschieden. Und siehe da, sie hat seither sage und schreibe 62 Pfund verloren!! Das ist sie jetzt mit 76 Kilo:




Na prima. Die Kilo sind runter, aber jetzt sieht sie aus wie ein alter Ledersattel mit Augen. Oder eher wie eine giftige Schildkröte, ich kann mich nicht recht entscheiden. Beides nicht gut. Aber wichtig ist ja, was in ihr geschah, speziell in ihrem Kopf: "...wurde mir zum ersten Mal vor Augen geführt, wie ich zu meinen Kilos gekommen war. Denn wenn mich der Heißhunger überfiel - und das war früher oft der Fall - waren Butterbrote mit Käse oder Wurst an der Tagesordnung. Anschließend wurde richtige gekocht und ordentlich gegessen. Am Abend ließ ich mir gern  mal ein, zwei Gläser Wein schmecken und hatte beim Zubettgehen stets im Kopf: Na, so viel war das ja auch alles nicht. Davon kann man doch nicht dick werden." Nein. Auf gar keinen Fall. Davon doch nicht. Ich mein, da muss man schon deutlich mehr verdrücken. ...ohgottohgottohgott, Sylvia war eindeutig fresssüchtig. Und damit nicht genug, auch der Alkohol hatte sie fest im Griff. Jeder erfahrene Trinker weiß, dass die Formulierung "gern mal ein, zwei Gläser Wein" der Code für 1 Flasche pro Abend ist. Prost Mahlzeit. Hier ist sie noch mal, die Sylvia:






Dieses aufgesetzte Lachen, das Glas Wodka O und das alte Sakko von Gottlieb Wendehals verraten es: Sylvia ist noch weit davon entfernt, ein normales Leben zu führen. Sicher, sie ist nun schlanker. Aber ein Alkoholproblem lässt sich nicht einfach weghungern, meine Liebe! Der nächste Absturz lauert schon - und damit auch die nächste Fressattacke. Und siehste, da hamwes auch schon:





Sylvia präsentiert stolz ihr neues Leibgericht: Biskuit-Kuchen. Seit jeher ein Schlankmacher, weiß man ja. Ich wette, sie mogelt sich da immer noch schön 'ne Flasche Eierlikör mit rein. Gott, das ist ja wie am Bahnhof ZOO! Man kann direkt zuschauen, wie ein Mensch abrutscht. Ich wünsch dir alles Gute, Sylvia!! ...entschuldigt mich, ich muss kurz weinen...

...so, geht wieder. Der Vollständigkeit halber: In meiner Lieblingsrubrik Warum Frauen immer eine Spur raffinierter sind drehte es sich lediglich um Fillippa (38), die irgendwas mit den Augen hatte. Bzw. eher ihr Mann, denn sobald sie ihre Brille abnahm, wurde der spitz wie ein Apachenpfeil. Entweder also handelte es sich bei ihrem Seheisen um ein eher günstiges Modell, mit dem sie aussah wie ein kranker Frosch, was ihren Gatten verständlicherweise eher abtörnte. Oder der Gute wurde dereinst per Hypnose darauf gepolt, Frauen anzuspringen, sobald diese das Nasenfahrrad lupften. Auf beide Theorien wird in der Story leider nicht weiter eingegangen. Die Beiden fummelten nur beim Neujahrsessen seines Chefs unterm Tisch. Öde. Einzig folgender Absatz machte mich hellhörig:
"Während ich die Gastgeberin nach dem Rezept der Sauce béarnaise fragte, dirigierte ich Jörgs Hand, unter dem Tisch verborgen, höher – unter den Kleidsaum. Dort empfing ihn ein rasiertes Nichts." Ein rasiertes Nichts? Man ahnt ja, was die Autorin sagen will, aber man muss nicht Sartre oder Hawkins heißen um zu wissen, dass man Nichts nicht rasieren kann. Ich mein, wie soll man das Nichts denn einschäumen? Man sieht's ja nicht, geschweige denn, dass der Schaum dran klebt. Nichts hält mehr, masagn. Wenn man drüber nachdenkt, wird man wahnsinnig. Also hör ich lieber auf. War ohnehin alles ganz schön aufwühlend. Ich brauch erstmal nen Eierlikör.

Dienstag, 24. Januar 2012

Pippa, der Henning und das runde Leder

Seit Monaten türmt sich die „Frau im Trend“ in meiner Bude. Quasi ungelesen, ich kam ja zu nix! Damit ist nun Schluss, in Zukunft werden Dinge von solcher Wichtigkeit nicht mehr wegen der Arbeit verschoben.

Die Aufarbeitung des Geschehenen beginne ich mit der Ausgabe vom 4. November und einer ganz bezaubernden Geschichte, in der sogar ich eine Rolle spiele – wenn man so will. Die Überschrift verrät es: die andere Hauptrolle spielt Pippa. Wie Frauen um die 35 in Deutschland nun mal heißen. Pippa klingt natürlich irgendwie keck, muss man sagen, da ist man schon leicht hippelig. Das sähe anders aus, würde die Rubrik meinetwegen von Hiltrud eröffnet. Ich glaube nicht, dass mich irgendetwas von dem interessiert, was eine Hiltrud tut. Es sei denn, ich wäre aus intensivmedizinischen Gründen davon abhängig. Aber Pippa! In diesem Namen steckt doch ein Versprechen! Da ahnt man doch, dass die sich abends keine Passiancen legt, nich wahr, sondern eher das Leben bei den Hörnchen packt. Und siehe da, Pippa beginnt ihre Geschichte mit einem Satz, der wirklich neugierig macht: 

Verrückt, es noch mal zu wagen, nach allem, was letztes Jahr beim Fußballturnier passiert ist...
Pippa ist ein Groundhopper! Vermutlich sogar Vorsitzende des „Blau-Weiß aufs Maul“ e.V., hängt immer am Zaun, Bengalos, Eisenstangen, das volle Programm. Und nun, nach einem Jahr Stadionverbot ist sie wieder dabei und natürlich total aufgeregt. Pippa, du Teufel! Wage es!


Jedes Jahr Anfang November gibt es in unserer Heimatstadt ein legendäres Fußballspiel: Oberdorf gegen Unterdorf.
Aua. „Oberdorf gegen Unterdorf“. Sicher. Geht’s denn bitte noch fantasieloser? Und isses nun ein Fußballturnier oder ein legendäres Fußballspiel? PIPPA! Konzentrier Dich! Borr, ich könnt mich...aber ich soll nicht. Okay, es spielen also Oberschicht gegen Unterschicht, Eloi gegen Morlocks, Hobbits gegen Orks, mir auch egal, is ja eh gelogen.

Nach dem Match treffen sich alle zu Lagerfeuer und Musik; Nachbar, Ex-Dörfler, ehemalige Mitschüler.
Hach wie romantisch! An der Grenze zu Oberdorf und Unterdorf ist die Welt noch in Ordnung. Da sitzt man abends gemeinsam am Feuer, jemand zupft die Laute, die Frauen singen, die Männer brummen. In jedem anderen Kacknest schlagen sich degenerierten Hinterwälder nach dem Kick gepflegt die Rüben zu Brei, pissen das Lagerfeuer aus und vögeln alles, was einen Puls hat. Oder auch schon nicht mehr.


Die meisten waren verheiratet.
Sicher, teilweise sogar Geschwister. Nur die arme Pippa hat bislang noch keinen abgekriegt? Spricht aber nicht grad für sie, da bin ich ehrlich. 35 Jahre, bestes Alter, jeder im Ort hat schon einen Partner, an dem er sich zu Tode langweilen kann, nur Pippa ist Single. Da stimmt doch was nicht. Meine Vermutung: Pippa ist hässlich. Und zwar so hässlich, dass noch nicht mal der schielende Sohn des Bürgermeisters an ihr den Hof machte.


Ich suchte keinen Mann zum Heiraten... 
Hört, hört!


...ich suchte einen für ein Abenteuer! Einen wie Henning.
Ha! Ich! Ja, na klar! Einen wie Henning! Logisch! Wie gemacht für das Abenteuer isser! Pippa, du bist nicht sonderlich schön, aber so ein Abenteuer kostet nun mal immer auch ein wenig Überwindung. Also los, sprich mich an! Wir können über alles reden. Hauptsache, du hältst die Klappe.


Meine Jugendliebe. Durchbrennen wollten wir.
Wa? Jugendliebe...Pippa? Ich würd' mich doch erinnern! ...also...PIPPA? Ich glaube nicht. In der DDR hieß doch niemand Pippa. Stand sicher sogar unter Strafe, 4 Jahre Bautzen oder so. Mir schwant, sie meint doch einen anderen Henning...


Henning ist nach Afrika und ich in die Industrie gegangen.
Okay, ich bin raus. Es ist ein anderer Henning. Ich war noch nie in Afrika. Ich war ja noch nicht mal in der Industrie, wo immer die auch liegt. Aber erzähl ruhig weiter, Pippa.


Letzte Jahr dann, fünfzehn Jahre nach unserem letzten Kuss, stand er nach dem Fußballspiel vor mir. Groß, sehnig, Sommersprossen.
Groß. Sehnig. Sommersprossen. Ich glaub, wenn man 10 Frauen einen Mann so ankündigt, schreien 12 „Verpiss dich!“. Nun, Pippa scheint er zu gefallen. Und das beruht wohl auf Gegenseitigkeit, denn:

„Pippa!“ hatte er gerufen. Ich war ihm in die Arme geflogen. Und dann...hatte er mich seiner dünnen Verlobten vorgestellt.
Wir lesen es zwischen den Zeilen: Pippa ist fett. Mindestens. Da stimmt sicher einiges nicht. „...und da stand sie vor mir: Klein, klumpig, Stachelwarzen.“ Na, da haben wir es ja mit einem echten Traumpaar zu tun.


Ich sah ihn spielen, kraftvoll, männlich. Wer gewann? Unerheblich. 
Für dich vielleicht, du dicke, dumme Nudel! Es ist NIEMALS egal wer gewann! Da steht's Spitz auf Knopf zwischen Oberdorf und Unterdorf, vermutlich läuft gleich das Elfmeterschießen, nur die blöde Pippa hat's wieder nicht gerafft, weil sie an nichts anderes denken kann, als dass der sehnige Henning ihr heute noch einen Freistoß in den Winkel zimmert!


Nach dem Spiel kam er zu mir. In seinen Augen spiegelte sich der Winterhimmel, hoch, kristallklar.
Okay, Henning war wirklich groß. Seeeehr groß. Oder er hatte was im Nacken, dass er ständig gen Himmel starrte, der sich dann spiegelte. Der Winterhimmel. Vorhin war noch November. Wie lang ging denn dieses Spiel?

Wo war seine blonde Salzstange?
Pippa, das ist jetzt total unsouverän. Du bist echt zickig. Naja, passt zu Deinem Äußeren. Mittlerweile würden wir alle viel lieber erfahren, was die Salzstange und Henning so treiben, anstatt uns dein Gestichel und Gejammer anzuhören. Ziege!

Am liebsten wollte ich ihn küssen, berühren, überall – stattdessen fragte ich: „Fährst du gleich nach Hause?“ – „Nein. Nur mit dir.“
„Nein. Nur mit dir.“ Also was denn nun? Ja oder nein? War doch ne klare Frage, kann man doch auch mal klar drauf antworten oder was. Das ist kein echter Henning. Für einen echten Henning gibt es auf eine solche Frage nur zwei mögliche Antworten:
1. „Ja. Und du kommst mit zu mir, du steiler Zahn!“
2. „Nein, ich stell mir mit den Jungs jetzt ordentlich einen rein. Bis nächstes Jahr, Pippa!“
Okay, eigentlich gibt’s nur eine.


Seine Antwort vibrierte in mir.
Einmal 30cm Antwort, bitte. Hättest du wohl gern!


Was sollte sie bedeuten? Ich bin Single – zumindest heute?
Tu doch nicht so scheinheilig, Pippa! Als ob dir das nicht egal wäre! Dir käme es doch nur gelegen, der Salzstange eins auszuwischen. Und du suchst ja eh niemanden zum heiraten, du willst doch nur das eine: ein Spiel Untenrum gegen Untenrum. LUDER!

Ich sah, wie sich die Spieler auf den Weg zu ihren Wagen machten. Wenig später gehörte der Sportplatz uns. Und die Duschen. Und der Tag...
Wiewaswo? Wo sind alle hin? Ich denk, nach dem großen Spiel werden traditionell Touristen verbrannt und schweinische Lieder gesungen? Passiert sicher auf dem zentralen Dorfplatz. Der Bürgermeister hält eine Rede, sein dumpfer Sohn sticht die Sau ab und der behinderte Neffe des Autohändlers eröffnet seitwärts rollend die Tanzfläche. Aber das alles geschieht erstmal ohne Pippa und Henning.

„Komm“, raunte ich. Als ich fünf Minuten später unter der Dusche stand, zitterten mir die Knie, Dann spürte ich ihn hinter mir. Sanft berührte mich eine Hand im Nacken. Ich lehnte mich an ihn. Jetzt berührten seine Lippen meinen Hals, die Hände schoben sich zu meinen Brüsten. Ich wandte mich um und umschlang ihn. Ich war nicht mehr das schüchterne Teenager, ich war eine Frau.
Richtig. Und zwar eine verbitterte, zickige, verzweifelte Frau, die sich irgendwo zwischen Ober- und Unterdorf in der Männerdusche eines Vereinsheims von einem sehnigen Kerl mit Salzstange vögeln lässt. Was ist nur geschehen, Pippa, wie tief bist du gesunken? Wo ist das süße Mädchen von damals, in das Henning sich verkuckt hat? Hat die Industrie dich so verwohnt? Tragisch.

Hart drängte er sich an mich. Er erkundete mich mit seinem Mund,...
Ob er Afrika auch mit seinem Mund erkundet hat? Ich schweife ab...


...dann packte er mein Bein und hob es an. Schon spürte ich ihn an meinem Schoß und wölbte mich ihm entgegen.
Also wenn ich mir vorstelle, wie sich die dicke Pippa mit gehobenem Bein irgendwem entgegenwölbt...dieses Bild! Aus meinem Kopf!!!

Ganz langsam schob er sich in mich. Aufrecht stehend, in der Männerdusche des Sportheims, liebten wir uns.
STOPP! In der Männerdusche eines Sportheims, und jeder Fußballer wird mir da zustimmen, kann man sich sicher einiges vorstellen: blutige Schlägereien, rituelle Schlachtungen und weinende Kämmerjäger. Aber ganz sicher liebt man sich dort nicht. Niemals! Diese Duschen sind bestenfalls schlicht, meistens aber das Tor zur Hölle. Es stinkt nach Chlor, Kernseife und billigem Sport-Deo. Die Duschen haben eine Zeitschaltuhr, so dass nur in 20sekündigen Intervallen lauwarmes Wasser aus ihnen pieselt – und zwar mit dem gleichen Druck, mit dem ein 80jähriger nachts Wasser abschlägt. Überall liegen vergessene Plastikflaschen und verschwitze Unterhosen, 4 der 8 Duschen sind ohnehin kaputt und ein Abfluss ist immer verstopft. Ich behaupte: in der Männerdusche eines Sportheims hat noch nie ein erigierter Penis gewippt. Vielleicht hat Pippa zu viele Gefängnisfilme gesehen und da etwas falsch verstanden. Dia machen das da nicht gern, Pippa. WACH AUF!


Schneller als je zuvor kam die Woge und mit ihr das Stöhnen meines Höhepunktes. Henning in mir. Und bei mir. Das Leben machte mir sein Angebot.
Und was für eins: Tripper, Fußpilz und ungewollte Schwangerschaft auf einen Schlag. Wenn das nix is. Oh, Pippa, arme Pippa. So ist das, wenn man sein Herz an einen Henning hängt.

 
Pippa und der falsche Henning tun es. Doch wo sind die Sommersprossen? Und besonders sehnig sieht er auch nicht aus. Moment! Pippa meinte doch nicht etwa den kleinen Henning!? Igitt!!





Donnerstag, 3. November 2011

Die Jungs, ich und Hohenwulsch, Teil 2

Nach dem informativen Frühstück ging es also endlich in Richtung Hohenwulsch. Schnell sprangen wir in Schmollhubers Wagen, die großen Jungs vorn, ich hinten aufn Kindersitz. Na super.

Nie darf ich nach vorne! Das war schon früher so. 
Meine Laune war gründlich verhagelt, ich wollte nur noch heim.

Die knapp 30 km zum Ziel vergingen wie im Flug, nicht zuletzt aufgrund der doch herbstlichen, malerischen und dorflichen Landschaft. Altmark heißt die Ecke da, und ich kann einen Ausflug dorthin nur empfehlen. Zumindest muss man keinen Umweg fahren, um nicht hindurch zu müssen. Neinnein, das hat was. Dachte ich auch während der Fahrt immer so bei mir - und plötzlich, mitten im Denken, sehen wir doch ein Ortsschild auf uns zu streben. Die Handinnenflächen wurden feucht, wir atmeten hektisch und kicherten wie Schulmädchen, denn uns war klar: das da vorn, das war Hohenwulsch! Kurz vorm Ortseingangschild trat Schmollhuber in die Eisen. Dieser Moment musste festgehalten werden, ganz klar.

 Schmollhuber vor Hohenwulsch.
(Das Schild war schon vorher schief.)




Jannemann vor Hohenwulsch.
(Komisch, da is das Schild wieder grade.)



Ich vor Hohenwulsch. 
(Noch immer tierisch angefressen.)

Nachdem wir also vor dem Ortsschild reichlich Beweisfotos gemacht hatten, überlegten wir, was zu tun war. Ja reinfahren, sachte ich! Noch waren wir ja nur VOR Hohenwulsch.
Schmollhuber schaut in sein schlaues Handy, wie wir jetzt nach Hohenwulsch reinkommen. 
Schon nach 5 Minuten das Ergebnis: "Geradeaus, etwa 4,5 Meter." Irre, diese Technik!

Wir fuhren also in den Ort hinein und dort zielgerichtet zum Bahnhof. Logisch! Und was war er süß! Allerdings auch gar nicht sooooo klein und tot, wie man das hätte denken müssen. Sogar ein Gleis für Schnellzüge war dabei.

Der Seitenflügel des Bahnhofs. Isser nich süß?

Und auch hier musste es natürlich wieder Beweisfotos geben. Das heißt, ich wollte gar nicht. Meine Laune war unterirdisch, und sie wurde schlagartig noch beschissener, sobald ich an die kommende Rückfahrt nach Stendal dachte: die Jungs schön gemütlich vorn und ich wie immer eingezwängt kurz vorm Kofferraum. Ich hasste sie dafür! Ich wollte nur noch weg! Doch die Beiden zwangen mich zu weiteren Bildern.


"GOTT, WARUM?!? Einmal vorn sitzen, nur einmal!"

Einen mittelgroßen Nervenzusammenbruch später, setzen wir unsere Stadtrundfahrt fort – und fuhren zum Schloss Hohenwulsch! Und das war mal so richtig geil. Weiter geht's damit im 3.Teil, jetzt muss ich ins Bett, heute ist Wellness-Abend. Gute Nacht.

Mittwoch, 2. November 2011

Die Jungs, ich und Hohenwulsch

Nun ist es tatsächlich geschehen: ich war in Hohenwulsch. Schon seit früher Kindheit geistert der Name dieses Örtchens durch mein Leben. Alles begann vor zigtausend Jahren mit einem Sketch des Ost-Komiker-Duos Herricht&Preil. Wie jeder anständige Ossi hab ich die schon als Kind rauf und runter gehört. In ihrem Sketch "Reisebekanntschaften" wählt Herricht aus einem Kursbuch spontan ein Reiseziel aus:

Preil: Na nun suchen Sie mal ein schönes Reiseziel raus!

Herricht: Ja wo, wo, wo?

Preil: Ja wo, wo, wo? Na irgendwo!

Herricht: Au, hier ist was Hübsches, Herr Preil, hörnsemal: Hohenwulsch.

Preil: Bitte was ist los?

Herricht: Hohenwulsch! Das ist überhaupt 'ne Idee: Ich war in meinem ganzen Leben noch nicht in Hohenwulsch, ich fahre mal nach Hohenwulsch!

Letztlich fährt Herricht dann doch nicht – aber ich wollte es tun! Wie gut, dass ich mindestens 2 Personen kenne, die auch sofort wollten: meine alten Freunde Jannemann & Schmollhuber. Seit ein paar Jährchen pflegen wir nämlich die schöne Tradition, uns einmal im Jahr an einem neutralen Ort mitten in der deutschen Pampa zu treffen. Weil: in der großen Stadt was losmachen, das kann ja jeder. So entdeckten wir schon das Steinhuder Meer (Elektrobötchen!) und Wittenberge (Feuerwerk!). Entzückend.

In Hohenwulsch selbst leben ca. 350 Menschen – und, Überraschung, keiner davon betreibt eine Pension. Also wählten wir für unsere Übernachtung einen Ort ganz in der Nähe: Stendal. Nun, wenn man Stendal nicht kennt, so wie ich bis letzten Freitag, dann erwartet man nicht viel, und wenn, dann wenig Gutes. Als ich mich schon 4 Tage vor der Reise auf die Internetsuche nach einer Unterkunft machte, stellte ich jedoch fest, dass Stendal eine Hansestadt ist - und Hansestädte sind nie so ganz verkehrt, das weiß man. Ich war gespannt. Schnell fand ich eine nette Ferienwohnung und buchte. Feddich.

Am Abend vor der Reise dachte ich mir dann, ich ruf doch noch mal bei den Vermietern der Ferienwohnung an und bestätige ihre Buchungsbestätigung. Das Telefongespräch verlief ungefähr so:

Ich: Hallo! Hier ist der Herr Henning! Ich wollte mich nur für ihre E-Mail bedanken und sagen, dass wir dann morgen Nachmittag kommen.

Frau Netzband: Morgen? Wieso?

Ich: ..Ähm...ja...ja also, na weil: ich hab doch gebucht!

Frau Netzband: Für morgen? Das glaub ich nicht.

Ich: Dochdoch! Und sie haben mir geantwortet, dass das klar geht.

Frau Netzband: Ich? Moment, ich schau mal nach...*raschelraschel*

Ich, denkend: WTF???????

Frau Netzband: Hörensie?! Sie haben für den 28.11. gebucht. Das geht klar.

Ich: Wat? November? Warum denn?

Frau Netzband: Ja, ich weiß es nicht.

Ich: Moment, ich schau mal nach...*klapperklapper*

Frau Netzband, denkt: Holzkopf!

Ich: Achduschreck! Ja! Ich hab bei ihnen den November angefragt. Warum?!

Frau Netzband: Wenn sie es nicht wissen, Herr Henning...

Ich: Hm. Dann kommen wir morgen nicht.

Frau Netzband: Auch nicht im November?

Ich: Nein. Und wenn, dann ruf ich an.

Frau Netzband: Okay, vielen Dank.

Ich: Bitte. Danke. Tschüss!

Es hieß also kurzfristig umzudisponieren. Also fix Google aufgerufen und zack! "Pension am Mönchskirchhof" gefunden. "Mönchskirchof". Na wenn das nicht auf unsere Reisegruppe passte! Angerufen, mit Herrn Müller geschnackt, gebucht, feddich. Und es sollte sich mal wieder heraustellen, dass alles einen tieferen Sinn hat.

Gegen Abend erreicht ich nach viereinhalbstündiger Zugreise Stendal. Die Jungs begrüßten mich am Bahnhof wie es sich ziemt: mit einem Fläschchen Pils. Hach! Das muss Liebe sein. Ich bezog nun auch die Pension, und wir machten uns auf, die Stadt zu entdecken. Was man selbst bei Dunkelheit sah: das war alles ganz schön nett! Man ahnt es ja nicht. Schöne Straßen, Fachwerkhäuschen, Feldsteinkirchen, gelber Backsteinweg - toll! Zum Abendmahl wählten wir ein italienisches Restaurant mit Sky-Empfang, tranken und aßen und tranken und aßen, beides reichlich, bis ca 1:30 Uhr. Die Rechnung brachte die nächste Überraschung: jeder von uns war knapp mit nem Zwanni dabei. Willkommen in Schnäppchen-Town!

Aufm Heimweg ging's dann noch in einen Pub, wo ich nach 18 Bier auch noch Whiskey trinken musste. Zum Glück war es irgendwann 4 Uhr und wir ziemlich im Sack. Die beste Vorbereitung auf unser großes Abenteuer: der Ausflug nach Hohenwulsch.

Der Samstag begann leicht zerknittert. Aber Frühstück war nun mal für 10 Uhr gebucht. Im Frühstücksraum begrüßte uns der Herr Müller. Ein sehr netter Mann im Rentenalter. Früher war er Bohringenieur, kam aus der Ecke, kannte Hinz und Kuntz und überhaupt alles! Zudem war er mindestens genauso gesprächig wie nett: Kaum hatten wir uns um den Tisch getrollt, holte er zu einem Monolog aus, den ich so in der Form noch selten erlebt habe. Sogar Jannemann, eigentlich unschlagbar, was verbalen Output angeht, blickte paralisiert auf sein Brötchen. Ich kenne ihn schon über 20 Jahre, aber so lange am Stück hab ich ihn noch nie nichts sagen hören.

Unser Frühstücksraum. Links Schmollhuber, rechts Jannemann,
ich hinten in der Ecke. Wenn ich nicht grad fotografierte.

Man muss Herrn Müller allerdings zu Gute halten, dass er echt etwas zu erzählen hatte. Da fiel es kaum auf, dass wir eine halbe Stunde lang weder Kaffee, noch Tee bekamen – Herrn Müller sowieso nicht. Was er nicht alles wusste! In Stendal steht das zweitschönste Stadttor Deutschlands! Ganz in der Nähe befindet sich der älteste Flugplatz der Welt! (Der auf dem Olle Lilienthal seinerzeit unsanft und endgültig landete.) In der Kirche gegenüber der Pension liegt der Taufstein vom Führer! Ganz in der Nähen haben mal Holländer ein Flußbett 10m in die Höhe verlegt! Der Brite hat Stendal verschont, der Ivan die damals geilste U-Boot-Radaranlage der Welt geklaut und bei sich aufgebaut! Und: Hohenwulsch hat ein Schloss! Das war ne Menge Holz für so tief im Kater. Aber spannendes Holz! Was wir in Hohenwulsch wollten, verstand er allerdings nicht so recht. Wo es doch so viel zu entdecken gab! War uns egal, wir wollten da hin. Und so brachen wir auf.

Von Links: ich, katerblass und skeptisch. Schmollhuber, fröhlich, aber ohne Augen.
Jannemann, saucool den neuen Labello am anzünden.



Fortsetzung folgt.



























Mittwoch, 21. September 2011

Harriet, Hasi und die Zahlen des Teufels

„Wir waren jung, als wir uns kennenlernten. Wenig Erfahrung, viele Sehnsüchte, sexuell zwei hungrige Fragezeichen.“

Seit „Ilsebill salzte nach“ hat man wohl keinen so schönen Einstieg mehr gelesen. Schon nach diesen 2 Sätzen ist klar: auch diesmal wird die Welt wieder lernen, warum Frauen immer eine Spur raffinierter sind. Zwei hungrige Fragezeichen sind es also, um die es diesmal geht. Eines davon ist Harriet, mittlerweile 39 Jahre alt. Der Kerl bleibt mal wieder namenlos, natürlich, denn die Frau im Trend ist emanzipiert, ein kochendes Ausrufezeichen sozusagen, wen kümmert da der Kerl, das ständig kotzende Komma. Harriet und ihr Satzzeichen lernten sich also recht jung kennen und lieben, sie erkunden die „süße, verbotene Welt der Lust“.

...was ich mich an dieser Stelle schon immer frage: Wer hat denn da mal was verboten? Etwa Ihmchen, ER, der Big Boss höchstpersönlich? Steht denn irgendwo in der Bibel

„Du sollst nicht die süße Welt der Lust entdecken, denn sie ist verboten – und zwar durch mich. Ich habe sie verboten, und zwar nur weil ich dich liebe. Weil ich immer bei dir bin und dich so sehr liebe, habe ich dir alles verboten, was dir irgendwie Freude machen könnte. Und du sollst im Fegefeuer unendliche Qualen erleiden und auf alle Ewigkeit auf kleiner Flamme schmoren, wenn du eines meiner 80.000 Verbote missachtest! Also sei fromm, danke mir jeden Tag für meine Güte. Danke mir dafür, dass ich dich mit allem versorge, was du zum Leben brauchst. Sei dankbar für die Luft, für das Wasser, für den Lehm und erst recht für das krumme Stück Holz, welches ich dir schenkte, um dich daran zu erfreuen, damit zu trommeln, darauf herumzukauen und es sich als Ministrant vom Herrn Pastor in den Po schieben zu lassen, auf das es dem eine Freude ist. So sei es.“ Nu pagadi. Oder so.

Jedenfalls: selbst wenn es irgendwo steht, die moderne, selbstbestimmte Frau wird sich doch wohl nicht vom alten Testament vorschreiben lassen, wann sie mit wem die sexuelle Interpunktion durchgeht! Genau! Harriet interessiert das jedenfalls einen feuchten Kehricht. Sie und ihr Freund, sie “wollten unsere eigenen Regeln, unsere eigenen Antworten”. Auf welche Fragen, das sagt sie an dieser Stelle nicht, aber ich nehme mal an, dass auch die verboten sind. Und wie sich sich so gegenseitig allerhand beantworten, machen sie auch schnell eine Entdeckung hinsichtlich ihrer Lieblingsstellung: “Wie erstaunt wir waren, als wir herausfanden, dass die Position in der wir uns intimste Küsse und Zungenspiele schenkten 69 genannt wurde.” Ja, wem fiel da nicht schon vor Erstaunen das Kamasutra aus der Hand. 69!! AUGERECHNET 69! Ich seh's direkt vor mir:

Harriet: “Hase, pass auf! Setz dich hin! Das glaubst du nicht!”

Hase: “Was denn nur?”

Harriet: “Diese eine Stellung, UNSERE Stellung, wo du so unten...und ich so oben...und das auch noch verkehrt rum “

Hase: “Ja!? Was ist damit!? Nun spann' mich doch nicht so auf die Folter!”

Harriet: “Die heißt 69!”

Hase: “NEIN!!!”

Harriet: “DOCH! Wenn ich's doch sag!”

Hase: “Ich bin total erstaunt!”

Harriet: “Ich war auch total erstaunt!”

Hase: “Sachen gibt's! Mensch, Mensch, Mensch.”

Harriet: “Aber echt.”

So. Nachdem die Beiden sich irgendwann mal wieder eingekriegt haben, geht's weiter im Text, bzw. eher in der Rechnung. Denn Harriet offenbart, dass die 69 bei ihnen immer 3 hieß – “weil es die dritte Stellung war, in der wir uns geliebt hatten.” Klingt logisch. Jedenfalls für Buchhalter. Da wird alles immer schön aufgeschrieben! Und dann genügt schon ein “Komm, lass uns die 3 machen!”, schon platzt der Dutt platzt und der Ärmelschoner fliegt in die die Ecke. Mir persönlich is die 3 eher in anderem Kontext vertraut, wenn es nämlich an der Autobahntanke heißt: “Einmal die 3 unn dazu noch ne Wuast.”

Nunja, hier ist das anders, denn die Zwei interpretieren die 3 “...aufgeregt und neugierig. Und mit allen Accessoires, derer wir habhaft werden konnten. Sahne, Eis, kitzelnde Federn...” Wir lernen: Harriet und Hasi hatten also neben einem Notizblock auch noch eine Dose Lidl Sprühsahne, eine Packung Bussy Schleck und lebendiges Nutzgeflügel auf dem Nachttisch. Sachen, die man eben dabei haben sollte, wenn man in den Nahkampf geht. 

Ich mein, jeder kennt das doch: Man liegt da so, quasi auf Halbdrei, die Laken zerwühlt, is am Machen und am Tun, hat plötzlich die kolossale Idee, da doch nun auch mal etwas zu kitzeln, tastet suchend mit einer Hand das Nachttischchen ab und denkt, verdammt, wo ist schon wieder Huhn! Tja, das kann passieren – aber nicht Harriet und Hasi. Die sind längst reine Beischlafprofis, da passt alles, da kneift und fehlt nix. “Nach und nach ergänzte ich die Liste unserer Spiele und Stellungen um mehr erregende Ziffern: Unter der 77 etwa verstanden wir nicht etwa Lotto mit sechs Richtigen (*kicher* Anm.d.Red), sondern langsamen, tiefen Sex von hinten. Direkt nach dem Aufwachen.” Ich erkenne ein Prinzip: langsamer, tiefer Sex von hinten, direkt vor dem Mittagessen ist sicher die 78, vor der Tagesschau die 79 und nach dem ersten nächtlichen Pipimachen die 80. Is wie bei Serienkillern, man muss nur das Muster erkennen, dann sind so leicht auszurechnen. Ha! Oh! Harriet wird konkret! Sie erklärt, wie es zur 77 kam. Wollnwe doch mal sehn, ob ich richtig liege.

“Es war ein schwüler Sommertag, an dem es schon morgens zu warm war, um sich schnell zu bewegen.” Sommer hin oder her, morgens ist es vor allem immer ZU FRÜH, um sich schnell zu bewegen. Aber hier werden wir geschmäcklerisch. Zurück zum Tathergang: “Er lag hinter mir, auf der Seite. Sachte hob er mein oberes Bein hoch, ich schob das untere instinktiv nach hinten zwischen seine Schenkel”. Wa? Oberes Bein hoch, sie das untere zwischen seine Schenkel. Kippt sie dann nicht um? Moment, ich muss mal kurz die Frau um Mithilfe bitten, das muss nachgeturnt werden...

...das ging relativ schnell, sie sagt, ich soll sie mit diesem Quatsch in Ruhe lassen, sonst nimmt sie mir die Zeitschrift weg. Okay, dann müssen wir Harriet glauben, aber ich tue es nicht. Sie sagt, es geht. Bitte. Ich sage, sie kippt um. Aussage gegen physikalisches Grundwissen.

Aber wir sind ja auch noch nicht fertig “...ich streckte meinen Oberkörper nach vorn, damit er tiefer in mich eindringen konnte, er schmiegte seine Brust an meinen Rücken.” Jaja, und sicher alles total geschmeidig und ohne einen Wackler. Harriet, dein Perfektionismus kotzt mich an! Nun kommt sie zum Punkt: “Von Oben mussten wir aussehen wie zwei Siebenen, die hintereinander liegen.” Bestimmt. IHR SEHT AUS WIE ZWEI NULLEN, DIE ZU DOOF ZUM VÖGELN SIND! 

Herrijee, muss man sich immer so aufregen. Ich möchte bezweifeln, dass diese Stellung aus irgendeiner Perspektive aussieht wie zwei hintereinanderliegende Siebenen, nich von Links, nich von mittig, nicht von schräg Unten und auch nicht von der verdammten ISS aus. Als wäre das alles nicht schon absurd genug, setzt Harriet noch eins drauf, denn sie unterstreicht die 77haftigkeit dieser Stellung folgendermaßen “... – vor allem, wenn ich durch meine Schenkel nach hinten fasste und begann, seine Juwelen zu liebkosen!”

Durch die Schenkel nach hinten. Juwelen liebkosen. Schluss, aus, ich kann nicht mehr. Die Frau macht mich fertig. Mal ganz davon ab, dass ich gar nicht so dringend etwas über Hasis Juwelen erfahren wollte, frage ich mich vor allem: Inwiefern trägt dieser Vorgang zur 77-Bildung bei? Und wie soll denn das überhaupt aussehen alles? Ihre Unterleibe bilden sozusagen den Standfuß der Siebenen, ihre Oberkörper, ganz entspannt im rechten Winkel gebeugt, das Dach quasi, und Harriets Hand an Hasis Bällchen sind die beiden Mittelstriche oder was? Na viel Spaß auch! Es ist ein Wahnsinn alles.
Harriet und Hasi, Stellung 16 (sehen von Oben aus wie eine 16, sieht man grad nicht)

Zum Glück kommt sie langsam zum Ende. “Manchmal flirte ich mit meinem Mann, indem ich ihm in den unpassensten Situationen eine unserer Liebeszahlen zuflüstere.” Die ganze Frau scheint mir schon seit einiger Zeit total unpassend. Aber Hasi freut sich sicher, wenn ihm Harriet in der 85. Minute des Champions League Finals ein “24, du Sau...” zuflüstert. Oder wenn er mit schwer Magen-Darm kaltschweißig im Bett vor sich hin suppt.

Harriet: “Hase...56!”

Hase: “Borrrrrr, neee...”

Harriet: “Was?! 56 sachte ich!”

Hase: “Mensch, ich kann nicht! Ich hab Krämpfe! Ich renn alle 20 Minuten zum Topf und komm kaum runter. Du machst dir ja keine Vorstellung, was da los ist! Ich hab das Licht gesehn!”

Harriet: “Na toll! Du bist so ein langweiliger Spießer geworden! Das bisschen Bauchweh hat uns früher nie gestört! Da haben wir einfach die 34 gemacht und gut war's!”

Hase: “Harriet! Ich bin krank! Ich hab Schmerzen! Ich werde heute sicher keinen Sex haben. UND LASS BITTE ENDLICH MEINE JUWELEN LOS!”

Die 18 heißt bei Harriet natürlich, dass sie Lust auf einen erotischen Film hat, und die 110 “Ich will dich jetzt und hier”. Da hat sie ihren Hasen aber richtig gut abgerichtet. Meine Güte, der hat's echt nicht leicht. Diese Dressur schlägt sich doch sicher auch im Alltag nieder. Sobald der auch nur irgendwo eine Zahl hört, macht seine Blume doch Männchen! Kaum erklingt im Supermarkt das vertraute “Die 34 zur Kasse 8, 34 zur 8 bitte!” macht der sich doch untenrum frei! Beim Arbeitsamt ist er ständig am Aufspringen und beim Basketball dauernd am Jubeln, egal für wen. Es steht schlecht um ihn, Harriet hat ihn mit ihrer teuflischen Sex-Numerologie fest im Griff. Armes Hasi.

...die Frau ruft grad, es wäre spät, ich solle zu Bett kommen. Sonst könnte ich mir die 82 abschminken. Gott, ich hoffe, sie meint nicht das Thai Curry mit Bambus und Tofu vom Aroy-D um die Ecke! Das is total scharf!